|
|
|||||
|
Glaubensbekenntnisse |
|||||
|
|
|
||||
|
ë
|
|
|||
|
ë
|
|
|||
|
ë
|
|
|||
|
ë
|
|
|||
|
ë
|
|
|||
(zurück zum Anfang dieser Seite)
|
Solche
Verabschiedungsprozesse sind übrigens für viele seelische und
gesellschaftliche Reifungsvorgänge notwendig. Dabei ist es wichtig, das Alte
nicht einfach wegzuschneiden, abzuwerten oder zu verdrängen, sondern es gilt,
auch die positiven Wirkungen des Bisherigen anzuerkennen, das bleibend
Gültige zu bewahren und in das jeweilige Heute hinein neu zu formulieren. Die unten
stehende Gegenüberstellung von "traditionellem" und
"zeitgemäßem" Glaubensverständnis soll für einen Verabschiedungsprozess
im religiösen Bereich eine Hilfe sein. Der Verfasser ist sich der sehr
plakativen und vereinfachenden Darstellungsweise der hier aufgeführten
Glaubensmuster bewusst. Aber in therapeutischen Prozessen ist eine solche
krasse Gegenüberstellung oft notwendig, um einen Verabschiedungsprozess in
Gang zu bringen. Und andererseits finden wir ähnlich plakative antithetische
Darstellungen auch in einigen Gleichnissen Jesu, wie sie in den Evangelien
berichtet werden. Auch dort geht es jeweils um die Verabschiedung veralteter
Glaubens- und Moralvorstellungen. |
||
|
Das
traditionelle christliche Glaubensverständnis |
Ein
zeitgemäßes christliches Glaubensverständnis |
|
Das alte Bild von Natur und
Welt einerseits und gesellschaftliche Erfahrungen von Autorität und
Herrschaft andererseits prägten die Vorstellungen von Gott und von seinem
Wirken in der Welt: l Weltvorstellung: Man glaubte, die Welt sei vor rund 6.000 bis 8.000 Jahren von Gott so
erschaffen worden, wie sie jetzt vorfindbar ist. = statisches Weltbild ► Problem: Warum gibt es
Naturkatastrophen, Krankheiten, Leid und Schmerz und den Tod, wenn der
Schöpfer und Herrscher der Welt ein weiser und liebender Gott ist? ► Die alte Antwort: Das muss alles Strafe sein
– aber für welches Vergehen? ► Die alte Antwort: Das schlimmste und grundsätzliche Vergehen von Untertanen war immer Ungehorsam, Widerspenstigkeit, Aufsässigkeit,
Rebellentum, Paktieren mit den Feinden des Herrschers. ► Also müssen bei so viel erlebter aktueller „Strafe“ die Menschen von Anfang an Gott, den Herrscher und Lenker der Welt, mit solchen Sünden schwer beleidigt und erzürnt haben. |
l Weltvorstellung (Naturwissenschaftliche Daten und religiöse Deutungen) Die kosmische Welt sei vor 13,7 Mrd. Jahren im Geheimnis des Urknalls
entstanden, - die Erde vor rund 4,6 Mrd. Jahren - das Leben vor rund 3,5 Mrd. Jahren - der Mensch vor rund 2 – 3 Mill. Jahren aus der Tierwelt = dynamisches, evolutives
Weltbild ►Naturkatastrophen sind die Auswirkungen z.T. gewaltiger
Naturkräfte, die in ihrer Eigenständigkeit von niemand bewusst gesteuert sind
und somit keine Absichten und keinen "Sinn" verfolgen (keine Strafe
oder Prüfung durch Gott). ► Der Mensch, der solchen Naturkatastrophen ausgeliefert ist, hat
Sinne und Verstand, um zu lernen, wie er sich vor widrigen Naturkräften
schützen kann. ►
Die Natur ist für den Menschen "Mutter", Lebensspenderin, Nährerin - aber
auch eine bedrohliche, todbringende Lebensverschlingerin. ►
Es gibt in der Natur und ihrem langen Entwicklungsweg eine (göttliche) "innere Tendenz" zum Leben,
zum Bewusstsein (zum Menschsein), zu umfassender Liebe und
Verantwortungsbereit-schaft. ►
Freilich kann der Mensch auch durch Verantwortungslosigkeit und Unwissenheit
sich und andere schädigen - dies ist aber nicht als Strafe Gottes zu
verstehen. "Gott straft nie" (Zitat aus einem Vortrag von A.Keller im Radio Vatikan) |
|
l Vorstellung von Gott: ► Gott sei ein allmächtiger Lenker und Steuerer aller Naturkräfte
und Naturereignisse, nichts in der Natur geschehe ohne seinen Willen. ► Gott sei ein Herrscher, der ähnlich weltlichen Herrschern Zeichen der Unterwürfigkeit, der Treue und Hörigkeit der Menschen will,
► der Opfer und Abgaben der Menschen beansprucht, der sich
verehren, lobpreisen und anbeten lassen will, ► der will, dass die Menschen ihm dienen, sich vorbehaltlos ihm ausliefern und bedingungslos gehorchen, ► der eifersüchtig die Treue seiner Untertanen auf die Probe stellt, ► der hart die Untreue der Menschen bestraft und unter Umständen lange Zeit erzürnt und beleidigt sein kann. |
l Vorstellung von Gott Gott lenkt
die Welt nicht (allmächtig) äußerlich, sondern wirkt als Seele in allen Dingen, als gewaltlose, innere Tendenz zum
Positiven. ►
Er ist zwar in vielen Situationen ohnmächtig, aber langfristig wird sich sein
Geist umfassender Lebensbejahung und Liebe in den Herzen der Menschen und in
der Welt durchsetzen. ►
Jesus verkündet Gott als liebenden, mütterlichen Vater, der will, dass seine
Kinder sich freuen zu leben und gut miteinander und mit der Schöpfung
umgehen lernen. ►
Gott ist die Quelle der Lebensbejahung und aller positiven Kräfte, die der
Mensch entdecken und in sich aufnehmen soll. |
|
l Das Menschenbild: ► Der Mensch sei der Untertan und Diener Gottes, zu Gehorsam,
Treue und Dienstbereitschaft verpflichtet. Die Versuchung der Untertanen: ► Auch Herrscher sein zu wollen, wenigstens über andere Menschen oder Geschöpfe herrschen zu können und damit Gott ähnlicher zu
werden oder selbst wie Gott zu sein, denn offensichtlich ist Herrschaft das
wahrhaft Göttliche und letztlich Sinnvolle. ► Die Untertanen-Rolle abzulehnen bedeutet, ein verstecktes
Rebellentum in sich zu tragen. ► So gibt es einen grundsätzlichen Neid der Menschen gegenüber
Gott und die Menschen vermuten den "Neid der Götter" gegenüber
erfolgreichen und glücklichen Menschen. ► Wer aber demütig, gehorsam und unterwürfig seine Unter-tanenrolle spielt, werde später von diesem Herrschergott
großmütig belohnt werden. ► Wenn Gott dem Menschen den Weg zur Herrschaft versperrt,
versucht der Mensch unter Umständen sich mit gottfeindlichen
Mächten zu verbünden, um ans Ziel zu gelangen. ► Man glaubte, der Mensch sei in Gefahr, auf Versprechungen von Gottes Widersacher hereinzufallen. ► Genau dieses Verhalten wird als die schlimme Ursünde des Menschen vermutet, die als Ursache gesehen wurde für die vielfältige
Bestrafung des Menschen durch Gott, die man in allem Leidvollen in der Welt
zu erkennen glaubte. |
l Das Menschenbild Der
Mensch versteht sich als unbedingt geliebtes Kind Gottes. Gott gönnt ihm von
Herzen das Leben und die Welt. ►
Gott will, dass der Mensch seine Sinne, seinen Verstand und sein Gewissen
gebraucht, um das Leben und die Natur immer besser zu verstehen und
liebevoll, verantwortungsvoll und selbstbewusst leben zu lernen. ►
Gott will, dass der Mensch zu einem gesunden Selbstvertrauen findet, sich
und seine Talente erkennen lernt, mündig und eigenver-antwortlich
handelt und Mitgefühl und Sorge für die Mitmenschen und die ganze Schöpfung
entwickelt. |
|
l Das
Hauptproblem des Menschen Er ist ein Sünder! Seine schlimmste Sünde: ► Er ist ungehorsam und widerspenstig gegenüber Gott, er möchte
sein wie Gott und nicht dienen, sondern herrschen. ►
Er paktiert mit dem Widersacher Gottes, dem Satan; damit hat er Gott, seinen Schöpfer
und Herrn schlimm beleidigt. |
l Das
Hauptproblem des Menschen Er ist für sich selbst ein unbegreifliches Wesen,
►
er versteht sich oft selbst nicht, ►
hat Angst, nur vergänglich, unwichtig zu sein, nicht beachtet und geachtet,
nicht liebenswert zu sein; ►
er ist oft unsicher, schwach, unwissend und verletzend. ►
Durch sein Geborensein und Heranwachsen erkennt der Mensch nicht automatisch
den Wert und Sinn seines Daseins sondern muss ihn erst durch mühsames inneres
Ringen und Suchen ("Inneres
Hören") entdecken. ►
Dieses Suchen ist oft von Angst und Fehlverhalten begleitet. Diese
Bewusstwerdung ist für den einzelnen Menschen und für menschliche Kulturen
ein oft langwieriger seelischer Reifungs- und Entwicklungsprozess
(Aufwach-Vorgang, Prozess der Bewusstwerdung, der seelischen
Blinden-Heilung). ► Die Hauptursache für seine Sündigkeit
liegt nicht im Ungehorsam, sondern in seiner Angst, nichts wert zu sein
und in seiner seelischen Blindheit und Unsicherheit. ►
Außerdem erlebt sich der Mensch oft hilflos und ohnmächtig gegenüber widrigen
Naturkräften, Krankheiten und inneren Gefühls-zuständen und ausgeliefert den
Aggressionen von Mitmenschen und ungerechten gesellschaftlichen
Verhältnissen. Auch dies raubt viel Kraft der Liebe und der Lebensbejahung
und verleitet zur Anpassung an das übliche gefühllose und lieblose Verhalten. |
|
l Die
Reaktion Gottes ►
Er vertreibt die Menschen aus seinem Gottes-Reich, dem Paradies und
verschließt beleidigt seine göttliche Welt für Jahrtausende und ist für den Menschen
nicht mehr zugänglich. ►
Als Strafe müssen die Menschen mit schwerer, mühevoller Arbeit (Disteln und
Dornen) ihren Lebensunterhalt verdienen. ►
Die Frau wird mit Wehen die Kinder gebären und bei der Feldarbeit von
Schlangen bedroht sein. ►
Auch der leibliche Tod sei grundsätzlich eine Strafe Gottes für die
menschliche Ur-Sünde. ►
Die Sünde der Menschen war mächtiger als die Liebe Gottes, sie konnte Gottes
Liebe aus der Welt verdrängen und dem Satan das Tor zur Welt öffnen, so dass
dieser seitdem die Welt beherrscht. ►
Nur wo die Kirche seit dem Tod Jesu am Kreuz mit ihren Sakramenten wirkt,
gibt es wieder Heilsräume göttlichen Wirkens in der Welt. |
l Die
Reaktion Gottes Gott
wollte durch Jesus Christus den Menschen ihren Wert, ihre einzigartige Würde
und ihre Fähigkeit, einander ernst zu nehmen, einander anzunehmen, einander
Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zu zeigen, bewusst machen
("offenbaren"), ►
Er zeigt sich in Jesus mit den Menschen mitfühlend und solidarisch, er
liefert sich selbst der Eigendynamik seiner Schöpfung aus und steht an der
Seite des Menschen seiner Schöpfung gegenüber. |
|
l Die
Welt als Bestrafungs- und Prüfungsfeld Gottes Weiterhin
sind Naturkatastrophen und alles Leidvolle in der Welt entweder Strafaktionen
Gottes für den anfänglichen, wie auch für den immer neuen Ungehorsam der
Menschen (Sintflutgeschichte, Turmbau von Babel,
Ägyptische Plagen, usw.) oder sie sind Prüfungen für Glauben, Gehorsam und
Unterwürfigkeit des Menschen. |
l Die Welt ►
Die Welt ist dem Menschen anvertraut als Lebens- und Entfaltungsraum. Er
soll sich eins wissen mit der Welt und in liebender und verantwortungsvoller
Weltgestaltung hineinwachsen in den Lebenszusammenhang der ganzen Schöpfung,
in der Gott verborgen gegenwärtig ist und sich dem Menschen mitteilt. ►
In Jesus Christus wird die Hinwendung und Einswerdung
Gottes mit der Welt offenbar; diese Hinwendung zur Schöpfung soll der Mensch
in seiner Lebensgestaltung nach-vollziehen. ►
Ziel der kosmischen Weltgeschichte ist die Vollendung der Schöpfung, nicht
die Flucht aus der Welt in den "Himmel". ►
Das "Jenseits" ist die seelische Tiefendimension der Schöpfung. |
|
l Altes
Erlösungsverständnis Nach
Jahrtausenden schickt Gott seinen Sohn, der in vorbildlicher Weise, stellvertretend
für den Menschen, Gott gegen-über gehorsam ist, sich vorbehaltlos seinem
Willen unterwirft und sich in einem grausamen Opfer am Kreuz dem Vater als Sühnopfer darbringt, um seinen Zorn gegenüber den
Menschen zu versöhnen. |
l Erlösungsverständnis Durch
die Liebe Gottes, die durch Jesus dem Menschen erfahrbar wurde (und noch
heute werden kann), wird der Mensch erlöst aus der Angst, nichts wert zu
sein, und aus der Hilflosigkeit, sich und den Wert seines Daseins zu
begreifen. ►
Dieses Geliebt-sein gilt es aber, bewusst anzunehmen (zu glauben) und die
eigene Berufung, den eigenen Lebenssinn, den Wert des eigenen Daseins gilt
es, in einem oft langen Weg der Selbsterkenntnis zu finden. ►
Im Sterben Jesu am Kreuz wird sichtbar, dass der Mensch in Leid und Tod von
Gott gehalten und über den Tod hinaus in Gott bewahrt bleibt. ►
Das Kreuz offenbart, dass die Liebe, mit der Gott den Menschen erfüllt, wenn
er sich ihm anvertraut, mächtiger ist als der Hass, das Unrecht, die Sünde,
die Verachtung und die Angstmachereien der
Menschen. |
|
l Die
Aufgabe des Menschen ► Der Mensch soll demütig und gehorsam alles glauben und befolgen, was die
Kirchenleitung im Auftrag Gottes zu glauben und zu tun befiehlt. ► Er
soll sich mit guten Werken den Himmel verdienen. ►
Mit Opferbereitschaft und durch Einhaltung der Gebote soll ►
Durch Werke der Buße soll er sich mit Gott versöhnen. |
l Die
Aufgabe des Menschen ► Bemühen um Selbst-Erkenntnis. ► Bemühen um Welt-Verständnis. ► Das Leben vom Ursprung her, von Gott her annehmen und bejahen. ►Die Quelle der lebensbejahenden Kräfte (Gott) entdecken und
offen werden, um diese Kräfte in sich zur Wirkung kommen zu lassen. ► Liebevoll und verantwortungsvoll mit der Schöpfung
umgehen. ► Für ein gerechtes, friedvolles, tolerantes, kreatives Zusammen- leben der Menschen eintreten.
► Unrecht, Entwürdigungen, Abwertungen, Unterdrückung aufdecken
und beseitigen. ► Die Wege wahrer Menschlichkeit aufzeigen: Personalität,
Subsidiarität, Solidarität, Gewaltlosigkeit)
|
|
è Der
Mensch ist ein Prüfling |
èDer Mensch
ist "Kind Gottes" und sein „Ebenbild“. èEr
ist berufen zum "Erben Gottes" und zum "Erben des Alls". èEr
soll seelisch reifen und erwachsen werden - auch vor Gott. èSeelische Reifung weckt das Bewusstsein der
eigenen Würde (einer absoluten, „göttlichen“ Werthaftigkeit), der eigenen
Freiheit, der eigenen Einzigartigkeit und Eigenverantwortung. èSeelische Reifung weckt ein tiefes
Verbundenheitsgefühl mit anderen Menschen und ein umfassendes Dazugehörigkeitsgefühl zum Ganzen der Lebens- und
Schicksalsgemeinschaft der Schöpfung. èSeelische Reifung weckt ein universales
Mitgefühl und eine universale Verantwortungsbereitschaft. |
|
Download-Druckversion
(2 A4 Seiten) èè |